Du hast die Wahl!?

Einer der großen deutschen Discounter wirbt derzeit mit dem Slogan

Viel ausgeben oder viel einpacken? Du hast die Wahl.

Herzlichen Glückwunsch an den Erfinder dieses Werbespruchs. Er hat ganze Arbeit dazu geleistet, die Konsumgesellschaft einen weiteren Schritt in die falsche Richtung zu lenken. Wieso?

Unsere innere Logik sagt uns dazu, es sei gut möglichst viel für sein Geld zu bekommen.Viel zu bekommen bedeutet volle Taschen und volle Taschen vermitteln uns das Gefühl etwas richtig gemacht zu haben. Leider bedeutet es aber häufig, dass die Produktionskosten dafür niedrig gehalten werden müssen. Niedrige Produktionskosten im Vergleich zu ähnlichen, teureren Waren erreicht man in der Regel auf diesen Wegen:

  1. Senkung der Qualität = Einkauf von Rohstoffen geringerer Güte
  2. Senkung der Werbekosten = Produkte werden nicht oder wenig beworben und designed
  3. Senkung der Lohnkosten = Schlechtere Bezahlung der Produktions- und Verkaufsmitarbeiter

Natürlich gibt es auch andere Wege um Produktionskosten zu senken, aber diese sind die bewährtesten und erzielen die größten Kostensenkungen. Zudem sind sie in der Regel am einfachsten beziehungsweise am schnellsten umzusetzen. Nun habe ich natürlich nichts dagegen, wenn ein Unternehmen den verringerten Werbeetat über den Warenpreis an seine Kunden weitergibt, es sei denn, die identische Ware wird unter anderer Bewerbung und anderem Design auch als Premium-Produkt verkauft. Die beiden anderen Punkte halte ich allerdings grundsätzlich schon für schwierig.

Rohstoffe von geringerer Güte, das sollte jedem einleuchten, führen zwingend zu einem Endprodukt geringerer Güte. Dann kommt die Weihnachtsgans halt nicht aus Deutschland, sondern aus Polen. Da ist sie dann in Massenhaltung gemästet und vielleicht sogar bei lebendigem Leib gerupft worden, aber was solls? Hauptsache ich bekomme für wenig Geld mein Essen auf den Tisch. Was schert mich das Vieh? Oder meine eigene Gesundheit!

Über die Senkung der Lohnkosten kann man durchaus kontroverser Meinung sein. Das muss man aber nicht, wenn man sich die Mühe gemacht hat, die einschlägigen Entgelttarifverträge zu lesen, speziell im Handel, der Logistik und der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Machen Sie sich einmal die Mühe, diese zu lesen und beantworten Sie sich selbst die Frage, wie Sie mit einem Gehalt in den niedrigeren Entgeltgruppen zurecht kommen würden.

Eine andere beliebte Methode die Verkaufspreise möglichst niedrig zu gestalten besteht darin, die Einkaufspreise zu drücken und den Produzenten die zukünftige Produktion somit nahezu unmöglich zu machen. Denken Sie nur an die Probleme der Milchbauern in den letzten Jahren.

Fazit: Waren, die unter Berücksichtigung ethisch-moralischer Grundsätze hergestellt werden, haben ihren Preis. Dieser Preis ist aber nicht zwingend teuer. Im Idealfall bildet sich ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn sich jeder an eine faire Preisgestaltung halten würde, hätten wir gleichzeitig die Chance, einige gesellschaftliche Probleme auszuradieren. Das wird aber nicht funktionieren, solange Waren immer günstiger werden und sich nur noch durch den massenhaften Abverkauf rechnen. Also, lieber weniger kaufen, dafür etwas mehr ausgeben, jedenfalls da, wo es möglich ist.

 

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