Praxisbeispiel Mitarbeiterzufriedenheit

Oder: Wie ich heute Morgen Brötchen holte

Bei uns in der Gegend ist vor einer Weile eine kleinere, familiengeführte Bäckereikette insolvent geworden. Nachdem das Insolvenzverfahren in Eigenregie nicht den nötigen Erfolg erzielt hatte, wurde unsere örtliche Niederlassung, zusammen mit einigen anderen, an eine weitere Bäckereikette verkauft. Die Filialen werden noch bis April unter altem Namen und alter Führung betrieben und gehen dann an die neue Kette über. Die Backwaren werden allerdings seit einigen Tagen bereits von der neuen Kette produziert und geliefert. Soviel in aller Kürze zur Vorgeschichte.

Vor ein paar Tagen, praktischerweise offenbar am Tag der Bekanntgabe an die Mitarbeiter, holte ich nun wie so oft Brötchen bei meiner Bäckereifiliale um die Ecke. Die Stimmung dort war fröhlich-hektisch, denn die neuen Backwaren unterschieden sich von den bisherigen sehr und eine Einarbeitung hatte wohl nicht stattgefunden. Die Mitarbeiterinnen nahmen es mit Humor und fühlten sich nach eigener Aussage „wie Azubis“. Ich sprach Ihnen einige gut gemeinte Worte zu und kaufte Brötchen, deren Zusammensetzung ich nur erahnen konnte. Ja, ich war auch überfordert. Soweit war aber alles gut – nur, dass ich mein Lieblingsbrötchen wohl dort nicht mehr bekommen werde.

Heute Morgen war die Stimmung dort von anderer Qualität. Ich betrat fröhlich pfeifend die Bäckerei, und sah gestresste und gefrustete Mitarbeiterinnen, wo vor kurzer Zeit noch gelacht und gescherzt wurde. Die Probleme bekam ich auch gleich mit: Die neuen Preise waren noch immer nicht in den Kassen hinterlegt, die Preise waren noch nicht klar, die Namen der Produkte auch nicht und manche der neuen Arbeitsabläufe waren – wohl nicht nur in meinen Augen – unsinnig und sorgten für unnötigen Stress. Ein kleiner alter Mann beschwerte sich über die neuen Preise, die tatsächlich um einiges höher waren als gewohnt. Die Antwort darauf war ein resigniertes „So ist es nunmal“.

So tiefgreifende Veränderungen des Arbeitsumfeldes sind immer schwierig für Mitarbeiter. Das fängt oft bereits mit einer Preisänderung am Kaffeeautomaten an, bei der normalerweise viel Zeit in Beschwichtigungs- und Erklärungsmaßnahmen gesteckt werden muss. Im Fall der Bäckerei hätten Schulungsmaßnahmen und eine korrekte Einbindung der Technik vor Ort viel Stress verhindert. Auch hätte man die Mitarbeiter bereits im Vorfeld über das Sortiment und die Preisgestaltung informieren müssen. Alles andere sorgt für Frust und unzufriedene Mitarbeiter. Zitat einer Bäckerei-Mitarbeiterin heute Morgen: „Ich glaube ich nehme mir einen Strick“. Ich hoffe nicht.
Fazit: Wann immer Sie Änderungen in Ihrem Unternehmen vornehmen, nehmen Sie Ihre Mitarbeiter mit und bereiten Sie sie umfassend darauf vor.

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