Problem Gewinnmaximierung

Gewinnmaximierung ein Problem? Wie kann ein Unternehmensziel, dessen Formel G = E – K (Gewinn = Erlös – Kosten) jeder angehende Wirtschaftswissenschaftler im ersten Semester aus dem EffEff herunterbeten kann, zu einem Problem werden? Es kann, weil die Gewinnmaximierung oftmals exzessiv betrieben wird und dabei Grenzen überschritten werden, die besser unangetastet bleiben sollten. Keine Angst, ich werde hier jetzt nicht mit mathematischen Formeln um mich werfen, aber eine kurze Erklärung der Theorie ist dennoch notwendig.

Die Theorie

Vereinfacht gesagt ist die Gewinnmaximierung ein Instrument zur Auffindung der geeigneten Absatzmenge eines Produktes am Markt und der entsprechenden Planung der Produktion. Letztendlich geht es darum, welche Menge eines Produktes sich zu welchem Preis noch gewinnbringend am Markt veräußern lässt. Also: Sie produzieren Waren, schlagen auf die Produktionskosten noch Ihren berechneten Gewinnaufschlag auf und erhalten den Verkaufspreis. Bei großzügiger Kalkulation können Sie den Verkaufspreis – sprich Gewinnaufschlag – eventuell verringern, um mehr Absatz zu erzielen. Das war’s.

Jetzt fragen Sie sich einmal, was diese Form von Gewinnmaximierung mit Ihrer Erfahrung, bzw. mit der tatsächlichen Unternehmenspraxis gemein hat. Die Antwort finden Sie irgendwo in der vierten Nachkommastelle.

Die Praxis

Und das ist ja auch verständlich. Warum? Weil die Theorie Mal wieder nicht in der Praxis umsetzbar ist. Gut, umsetzbar wäre sie schon. Wir haben feste Produktionskosten (je Stück), eine Verkaufsmenge und den daraus resultierenden Umsatz. Früher hat man auf diese Weise einen guten Erlös erzielt und ihn gefälligst als das Maximum hingenommen. Heute gibt es zwei häufig genutzte Wege den Gewinn noch zu erhöhen:

  1. Die Erhöhung der Gewinnspanne ohne Preisveränderungen
  2. Die Erhöhung der abverkauften Menge über Preisreduzierungen (sog. Dumping)

Logisch. Wo Gewinne erzielt werden gibt es immer mindestens einen, der höhere Gewinne erzielen will. Und zwar nicht indem er mehr dafür tut. Das wäre ja sonst auch glatt ein unternehmerischer Ansatz. Ne, das muss einfacher gehen. So ganz ohne zu investieren. Geht auch! Indem wir die Kosten senken. Und welche Kosten sind am einfachsten zu senken? In der Regel der Wareneinsatz, gefolgt von den Lohnkosten. Wenn wir diese also reduzieren, kommt am Ende ein günstigeres Produkt heraus, dass Sie entweder zu einem geringeren, oder zum gleichen Preis verkaufen können, je nachdem, welche Strategie Sie fahren wollen.

Die Folgen

So weit, so gut. Und wo ist das Problem? Das Problem sind die Folgen. Und die sehen so aus:

  • Erhöhung der Gewinnspanne

Ich möchte hier gar nicht auf die trivialen Folgen eingehen (günstige Rohstoffe, Entlassungen …), sondern vielmehr auf die daraus entstehenden ethisch-moralischen Probleme. Sie kaufen also nun Rohstoffe von minderer Qualität, um die Kosten zu senken. Ihr Produkt hat aber den gleichen Verkaufspreis wie vorher. Damit wird dem Käufer suggeriert, dass es sich um das gleiche Produkt in der gleichen Qualität handelt. Was natürlich falsch ist.

Das nächste Problem ergibt sich in Ihrer Belegschaft. Wie Sie die Kostensenkung dort auch anstellen, mit Entlassungen, geringerer Entlohnung, geringerer Qualifikation, ganz egal, was zurückbleibt ist der Stich im Herzen jedes Mitarbeiters der womöglich seinem Arbeitgeber bisher vertraut hat. Auf einmal entstehen stattdessen Zukunftsängste. Den dadurch entstehenden Schaden, beispielsweise die schlechtere Arbeitsmoral, tragen Sie als Arbeitgeber. Solche eingriffe in Ihr Unternehmen sollten Sie sich besser zweimal überlegen.

  • Preisdumping:

Da unüberlegtes Handeln niemals ausstirbt wird auch dieses Modell zukünftig weiterbestehen. Das Problem daran ist, dass sich durch Preisdumping ein Wandel in der Gesellschaft ergibt. Die vergisst nämlich im Laufe der Zeit den tatsächlichen Wert der Waren und glaubt, dass die Produkte immer so günstig sein müssten, ja sogar, dass alles andere purer Wucher wäre. Unter dieser Voraussetzung müssen Waren immer billiger produziert werden um zu Billigpreisen weiterverkauft werden zu können. Was das für die Produktionsbedingungen und die Qualität bedeutet, können Sie sich sicher vorstellen.

Fazit

Wir sehen also, dass die Gewinnmaximierung tatsächlich ein Problem darstellen kann und sogar darstellen muss, wenn sie wie beschrieben durchgeführt wird. Vielleicht muss man deshalb eher von einer Gewinnoptimierung sprechen, die in meinen Augen die soziale Verantwortung genauso beinhalten muss wie den auskömmlichen Erlös des Unternehmens. Nur eine ausgewogene Lösung kann eine nachhaltige Lösung sein.

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